EVROPI: Das neue Album von SEA+AIR


Nun ist sie also draußen, die neue Scheibe von Sea+Air. Diese Woche geht die Band, die man einfach live sehen muss, auf eine Release-Tour: Und ein Konzert war praktischerweise in Köln.

Ich habe eine gute Weile auf EVROPI gewartet. Und bei jeder Facebook-Meldung von den beiden spekuliert, was wohl kommen wird – und mit dem Ergebnis sicher nicht gerechnet. Ein Konzept-Album: Eleni Zafiriadou und Daniel Benjamin berichten über Flucht und Vertreibung.

Griechenland

Hierzulande ist sie weitgehend unbekannt, die Geschichte des modernen Griechenlands. Nach einem jener furchtbaren Kriege des 20. Jahrhunderts wurde die Familie von Eleni aus „Asia Minor“ vertrieben. Eine Katastrophe, von der viele Griechen heute noch mit leiser Trauer in der Stimme sprechen, wie ich auf Reisen erlebt habe. Es beginnt ein langer Weg der Generationen durch Europa: der ist noch nicht zu Ende. Viele Menschen der dritten Generation haben immer noch keinen Platz, ab dem sie sich heimisch fühlen.

Deutschland

Und diese Lebensläufe mit ihren Brüchen gibt es nicht nur in Griechenland. Auch in Deutschland gab es einen verlorenen Krieg und eine Vertreibung, deren Spuren in der Seele ein Erbe sind, dass Betroffene nicht ablehnen können. Auch hier kennen die Mitglieder der folgenden Generationen das Gefühl, nirgendwo wirklich heimisch zu sein; auf der Durchreise zu sein. Ich weiß es gut, denn ich bin einer von ihnen. Es ist den wichtigen Büchern von Sabine Bode zu verdanken, dass die Debatte um die Kinder und Enkel des Krieges geführt wird. Vielen Menschen hat sie geholfen.

Europa

Und das Thema Flucht und Vertreibung ist auf diesem, unserem Kontinent wieder einmal sehr präsent. Und meine Wut auf die vielen, die da gerade wieder einmal Schuld auf sich laden, wächst noch einmal. Sie wächst an dem Gedanken an die Bürde denke, die Menschen schon jetzt in ihrem Lebensrucksack gesteckt bekommen, obwohl sie erst in 20, 30 oder 40 Jahren geboren werden.

Let Europe become a love affair

Dieser letzte Satz des Titelsongs ist zugleich mit Abstand der beste Satz über Europa, den ich in den letzten Jahren gehört habe. Das Gefühl, keinen Heimatort zu haben, ist wohl zutiefst europäisch.

Hören ist überhaupt ein gutes Thema. Ich schreibe ja über die Musik, auf die ich so lange gewartet habe. Einige Jahre. Ob es das das wert war? Jede e i n z e l n e Minute. Ich war beim ersten Mal enttäuscht, als die Platte gehört habe. Das muss so sein, dass kenne ich aus Teenie-Zeiten. Nach dem ersten Hören eines langersehnten Albums muss man so richtig enttäuscht sein. Und dann wird es mit jedem Hören besser – das ist ein geiles Gefühl.

Ich habe die Platte schon oft gehört.

OFFICIAL EVROPI – ALBUM RELEASE SHOWS
24.08. Berlin – Klunkerkranich
25.08. Hamburg – Übel & Gefährlich
26.08. Köln – Yuca
27.08. München – Cord Club

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