Extremsport: Los geht’s – Ein Spiel fürs Improtheater

Improspieler verzögern gerne gefährliche Aktionen auf der Bühne. Und das machen sie sehr gerne gerade dann, wenn große Herausforderungen auf sie warten, vor denen sie auch im Alltag großen Respekt haben: wie etwa vor einem Fallschirmsprung. Die Zuschauer sind dann schnell gelangweilt, denn sie wollen natürlich sehen, wie sich die Spieler in Gefahr begeben. Manch eine gute Szene scheiterte, weil die erhoffte Aktion einfach nicht auf die Bühne kommen wollte. Hier habe ich eine Abhilfe: Eine Spielidee für eure Proben, um solche Situationen gezielt zu trainieren.

Was machen wir? Die Vorgabe
Als Vorgabe wird ein „Extremsport“ eingeholt. Das kann zum Beispiel Fallschirmspringen, Canyoning oder eine Klettertour im Hochgebirge sein. Auf jeden Fall sollte es mit Gefahr und viel Bewegung verbunden sein.

Die Plattform
Zwei oder mehr Spieler haben dann die Aufgabe, kurz eine vollständige Plattform aufzubauen. Dazu werden die folgenden Fragen beantwortet:

  • Wer bin ich?
  • Wer bist du?
  • Wer sind wir zusammen?
  • Wo sind wir?

Die Frage: „Was machen wir“ ist ja durch die Vorgabe schon beantwortet.

Ist die Plattform gebaut, sollen die Spieler umgehend die Aktion durchführen. Erkennen sie den Moment nicht oder scheitern sie an Aufbau der Plattform, kann der Spielleiter sofort „Auf geht’s!“ rufen. Dann müssen die Spieler die extreme Aktion auf der Bühne durchführen. Sofort.

Ein Tipp: Achtet darauf, dass die Plattform positiv ist. Äußert ein Charakter ein Übermaß an Angst oder negativen Gefühlen, sollte der Spielleiter korrigierend eingreifen. Ebenso kann er darum bitten, fehlende Teile der Plattform zu ergänzen.

Die Bewegung
Bei der Ausübung darauf achten, die ganze Bühne zu nutzen. So kann der Wind den Fallschirmspringer in die verschiedenen Ecken wehen; und das in unterschiedlicher Geschwindigkeit. Eine Bühne hat mindestens drei Ebenen, die ihr ausnützen könnt: oben kann man stehen, springen und klettern; in der Mitte sitzen und unten auf dem liegen. Ihr findet sicher noch viel mehr.
Bei der Durchführung der Aktion können die Spieler ihren ganzen Spieltrieb ausleben.

Das Ende
Ist die Bewegung zu ihrem Ende gekommen, kann die Szene beendet werden. In der kurzen Besprechung der Szene solltet ihr darauf eingehen, ob die Plattform vollständig war. Fragt die Zuschauer, wie die Bewegungen auf sie gewirkt haben. Und besprecht die Szene nicht zu lang, spielt lieber eine neue.
Es gibt eine wichtige Erweiterung, die erfahrene Spieler bei dieser Übung anwenden können: die Veränderung.

Erweiterung: Der Tilt
Improtheater kann als Variation des immer gleichen Dreischritts verstanden werden. Es gibt eine Ausgangsszene, die Plattform. Dann eine Veränderung des Systems. Und dann die neu entstandene, geänderte Plattform. Ist diese neue Plattform definiert, ist das ist meist ein guter Moment, um eine Szene zu beenden (oder eine weitere Veränderung einzuführen). Keith Johnstone und seine Jünger nennen die Änderung der Plattform den „Tilt“.

Das Spiel „Auf geht’s“ kann auch dazu eingesetzt werden, diesen Dreischritt exemplarisch durchzuspielen. So kann sich etwa in der Bewegung der Status eines Spielers ändern.

Bei einem Fallschirmsprung ist etwa denkbar, dass der in der Plattform etwas überheblich wirkende Fallschirmsprunglehrer in der Luft fast umkommt und durch seinen Schüler gerettet wird. Auf dem Boden angekommen ist der Schüler dann in der überlegenen Situation und hat den höheren Status; oder es gibt während eines Gewitters bei der Klettertour ein Geständnis à la „Ich bin dein Vater“; oder es wird mitten im gefährlichsten Moment der Canyoning-Tour eine Liebeserklärung gemacht. Das ändert die Charaktere; dieses „was“ wird kurz angespielt und erst dann die Szene beendet.

Wichtig bleibt aber, dass die Aktion schön bewegungsintensiv, laut oder wie auch immer wild gespielt wird. Dies steht bei dieser Übung im Vordergrund.

Viel Spaß. Und vergesst nie die wichtigste Impro-Regel: Fuck the rules. Eure Erfahrungen und Variationen des Spiels dürft ihr gerne in die Kommentare schreiben.

Update Bericht über Extremsportler: Roofer, Freerunner, Basejumper. Falls Ihr Anregungen braucht 😉

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