Kampagnen-Rauchen

Der zweite Tag im Aktionscamp beim Hamburger Volksbegehren 2007: Diesen Tag verbringe ich in Wandsbek vor einem Öko-Supermarkt. Das Sammeln läuft ganz gut. Hartnäckigkeit zahlt sich eben aus. Mit dabei ist Sandra, eine Hamburgerin, und Melchior aus NRW. Wir waren auch an der amtlichen Eintragungsstelle, wo sich eine erstaunliche Reihe von Menschen direkt einträgt.

Die anderen stehen außerhalb meiner Sichtweite. Ein paar Mal machen wir uns auf den Weg zum anderen, treffen uns jedes Mal in der Mitte und wärmen uns mit einem Kaffee auf.

Volksbegehren Hamburg 2007: Pause beim Sammeln

Volksbegehren Hamburg 2007: Pause beim Sammeln

Mir fällt auf, dass unglaublich viele Männer I-Pod-Kopfhörer tragen. Die sind in einer anderen Welt; ich kann den I-Pod-Man nicht erreichen. Auf Ansprache reagiert er nicht. Ich habe ein paar Mal überlegt, ihm ein Bein zu stellen. Aber dann davon abgesehen, weil ich nicht glaube, dass meine Haftpflicht für Schäden aufkäme. Außerdem würde er bestimmt nicht unterschreiben. Ich werde mir bald ein paar Aktien von Hörgerät-Herstellern kaufen. Ich prophezeie Kursgewinne aufgrund eines stark steigenden Absatzmarktes.

Eine Mitarbeiterin vom ADFC kommt vorbei. Sie sagt, das der Verein viele Listen verteilt hat. Solche Begegnungen wärmen auf.

Zum Ende des Tages kaufe ich mir ein Päckchen Tabak. Dabei rauche ich eigentlich nicht. Na ja, nur bei Kampagnen. In eine Kontaktanzeigen müsste ich also Kampagnenraucher schreiben. Aber das versteht ja wieder keiner. Ein Aktionsurlaub ist keine Kur der AOK.

Die Frau im Tabakladen ist sehr freundlich. Sie hat mich den ganzen Tag vor ihrem Laden gesehen. Und sie unterschreibt unaufgefordert. Das nenne ich einen guten Tagesausklang.

Der Text wurde ursprünglich in leicht anderer Form auf dem taz-blog veröffentlicht. 16.2.2007

März 2014: Die Stadtoberen von Hamburg greifen das Wahlrecht an und das Bündnis „Faires Wahlrecht – Jede Stimme zählt“ will es retten. Zeit ist bis zum 17. März 2014. Es gibt ein Aktionscamp für die Unterschriftensammlung zum ersten fakultativen Referendum in Deutschland. Weitere Infos: http://hh.mehr-demokratie.de

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