Fundraising für Parteien

Auf dem Parteitag der ÖDP im Sommer 2011 nahmen sich die Delegierten Zeit, um einen Vortrag zu hören, in dem Arbeitsmethoden vorgestellt wurden. Ich stellte Spenden- und Mitgliedswerbung vor; was man auf Neudeutsch „Fundraising“ genannt.

Die Deutschen sprechen im Allgemeinen nicht gerne über Geld. Aber ohne gezielte Spendenwerbung würden viele gute Projekte nicht umgesetzt. Deswegen ist es hilfreich, sich die Basis der gemeinsamen Arbeit zu betrachten.
Wenn sich Menschen in einer Organisation zusammenfinden, dann tun sie dies, um gemeinsam Ziele zu erreichen.

Dies kann zum Beispiel der Kampf gegen Kinderarmut oder für Tierrechte sein. Die Mitglieder der ÖDP wollen die Politik in diesem Land verändern. Um dies erreichen zu können, braucht es eine starke Organisation – das ist der Ursprungsgedanke jeder Partei. Fundraising findet genau hier statt; das ist die Messlatte der Arbeit.

„Die Leute spenden – trotz Fundraising.“

Mit diesen Worten tritt Prof. Dr. Volz all denjenigen entgegen, deren Sinnen und Trachten darauf ausgerichtet ist, mit geschickten Methoden und strategischen Kampagnen Geld für gute Dinge locker zu machen. Doch es gibt keine wundersame Geldvermehrung.
Fundraising ist der zielgerichtete Aufbau dauerhafter Beziehungen zwischen Menschen: denjenigen, die ihre Zeit und ihr Geld geben; und denjenigen, die damit politische oder karitative Arbeit bündeln oder erst möglich machen. Eine Spende oder eine Mitgliedschaft ist der Ausdruck der Bindung an eine Idee; der Ausdruck dafür, dass die begünstige Organisation und ihre Entscheider Sinnvolles zur Erreichung des Satzungszieles leisten.

Einfache Dinge gut machen
Also geht es um Kommunikation; darum, viele Menschen für die eigene Arbeit zu begeistern. Und dabei dürfen wir sehr wohl Ideen sammeln, Ziele setzen, Maßnahmen überlegen und Erfolge messen: mithin strategisch vorgehen.
Die Botschaft muss in der alltäglichen Arbeit einer Organisation ankommen. Wer Freunde gewinnen will, der muss erst einmal Kontakte machen. Für die vielen Aktiven, Mandatsträger und Mitarbeiter der ÖDP heißt es, jeden(!) möglichen Interessenten danach fragen, ob er oder sie weiter über die Arbeit informiert werden will. Es sind hier die kleinen Schritte, die zählen: Bei jeder Veranstaltung werden Interessentenlisten ausgelegt. Und alle, die den Newsletter bekommen wollen, werden zeitnah in die Adressdatenbank eingepflegt.

Böse Wort: Datenbank und Adressmanagement

Zurecht scheuen viele Menschen, ihre Daten preis zu geben. Denn jeder weiß, was beispielsweise nach der Teilnahme an einem Gewinnspiel droht: Altpapier, bis der Briefkasten platzt. Dennoch sind Firmen wie Wohltätigkeitsorganisationen darauf angewiesen, die Menschen zu kennen, die das eigene Angebot gut finden. Und diejenigen, die eben nicht auf die Aufrufe regieren: diese werden nicht mehr behelligt.
So gibt es durchaus Menschen, die politisch sehr interessiert sind und heißblütig hinter den Zielen einer Organisation stehen: aber eben doch auf das Geld achten müssen und sich deswegen beim Erhalt einer Spendenmail schlecht fühlen, weil sie der Bitte nicht nachkommen können. In einer guten Datenbank lässt es sich markieren, wer nur den Newsletter, nicht aber Spendenbitten per Email bekommen will. Und vielleicht sammelt genau diese Person im Vorfeld der nächsten Wahl fleißig Unterschriften mit – weil sie von der Arbeit überzeugt ist und mit Respekt behandelt und informiert wird.
Es ist eben die „böse“ Technik, die erst möglich macht, mit einer großen Zahl von Unterstützern angemessen zu kommunizieren.

Fundraising bei der ÖDP
Die ÖDP hat schon mehrere Volksentscheide gewonnen, mobilisiert regelmäßig hunderttausende Wähler und hat über 6.500 Mitglieder. Das wäre undenkbar, wenn sie nicht mit ihren Unterstützern kommuniziert, mithin Fundraising betreibt. Und tatsächlich braucht niemand allzu lange nach Beitrittsformularen in den Materialien oder den entsprechenden Buttons auf der Homepage suchen.

Die Bewohner der Fundraisingpyramide

Mit Hilfe der Fundaisingpyramide bekommt einen Überblick über die verschiedenen Gruppen von Interessenten und Förderern. Sie unterscheiden sich durch den Grad der Bindung an die Organisation. Naturgemäß nimmt die Zahl ab, je stärker die Bindung ist. Auf der anderen Seite spenden natürlich Menschen mehr und öfter, wenn sie eine enge Bindung haben.

Interessenten

Die Interessenten sind das breite Fundament: Bei der Bundestagswahl 2009 hat die ÖDP 132.249 Wählerstimmen erhalten und 2013 waren es wieder 127.088. Das ist dies ein deutlicher Beleg dafür, dass viele Menschen den Zielen der ÖDP verbunden sind.
Leider haben Wahlen aber aus Fundraisersicht einen Systemfehler: Sie sind geheim. Das ist natürlich gut so; aber es ist eben wichtig mit diesen und anderen Menschen auch außerhalb und nach der Wahl zu kommunizieren. Dazu müssen wir die Menschen davon überzeugen, dass wir sie über die Arbeit informieren dürfen.
Dies geht persönlich: Auf den Unterschriftenlisten für politische Aktionen ist ein Häkchen vorgesehen – wer unterschreibt, den fragen wir, ob er oder sie mehr Informationen haben will. Nach einem guten Gespräch am Infostand bieten wir selbstverständlich an, dass wir die Person weiter informieren. Heutzutage sind Email-Adressen wichtiger als Postadressen. Sie werden zwar häufiger gewechselt, dafür ist es deutlich günstiger, einen großen Email-Verteiler anzuschreiben.

Wichtig: Interessante Berichte

Wir müssen gute Texte erstellen, die spannend von der Parteiarbeit berichten. Dabei steht die Wirkung im Vordergrund. Was wurde erreicht? Solche Informationen sollen regelmäßig angeboten werden. Im Mittelpunkt können dabei die Geschichten und handelnden Personen stehen. 400 Mandatsträger der ÖDP sind ein großer Fundus, den es zu erschließen gilt.

Diese Nachrichten können über verschiedene Wege verbreitet werden: Zeitschrift, Webseite, Newsletter und im berüchtigten Web Zwonull. Und sie dienen als Grundlage der Kommunikation mit allen Bewohnern der Pyramide.

Spender

Zusätzlich zur Information über die Arbeit laden wir auch dazu ein, die Arbeit zu unterstützen. Dies geht klassisch mit Briefen. Wenn Sie zu den Personen gehören, die ab und an Spendenbriefe bekommen, sollten sie sich diese einfach mal anschauen. Wie ist der Brief aufgebaut? Wonach wird gefragt? Welche Notlage wird geschildert? Wie trägt die Spende zu Abhilfe bei? Das ist wirklich spannend.
Im Onlinebereich sieht man, wie die Erreichung von politischen Zielen mit dem Ausbau der Organisation und Spendenbitten verknüpft sind. Sie können dies bei dem Aufruf „Wählen ohne Überhang“ von Mehr Demokratie verfolgen. Dort unterschreiben die Interessenten im ersten Schritt für das politische Ziel: die Abschaffung der Überhangmandate. Dann kommt eine Seite, auf sich der Verein für die Unterschrift bedankt. Und die Möglichkeit bietet, die Organisation bei der Durchführung der Abschlussaktion zu unterstützen – mit einer Spende.

Mitglieder

Die wichtigste Art, eine Partei zu unterstützen, ist die Mitgliedschaft. Mit einer Mitgliedschaft bekennt sich eine Person zu den politischen Zielen einer Partei.
Die Grünen sind hier sehr aktiv: Ich sehe dies als einen der Gründe, warum sie politisch so erfolgreich sind. Sie nutzen den derzeitigen Aufwind für gute Mitgliedskampagnen; das führt zu einem Mitgliedswachstum, was wiederum dem politischen Aufschwung dient, …
Doch Beiträge haben gegenüber Spenden einen weiteren Vorteil: Das Spendenaufkommen ist planbar – weshalb ja auch für die karitativen Organisationen diese Form sehr attraktiv ist.
Das können wir in Fußgängerzonen beobachten, wo viele Wohltätigkeitsorganisationen direkt nach Mitgliedschaften fragen – hiervon rate ich Parteien allerdings ab. Es passt einfach nicht, ist dem Image sicher nicht förderlich und hätte obendrein geringe Chancen auf Erfolg.

Großspender und Erbschaftspender

Auf der oberen Stufe der Fundraisingpyramide finden sich die Großspender und die Erbschaftsspender. Hier ist eine individuelle und angemessene Ansprache notwendig. Ein Großspender will etwas bewirken und sieht seine Spende als Investition. Dies ist natürlich im politischen Umfeld heikel, wie die Debatten über die Spenden aus der Hotel- und Autobranche zeigten.
Manche Wohltätigkeitsorganisationen werden häufig in Testamenten berücksichtigt. Wer sich mit dem beispielsweise mit dem Thema Krebs auseinandersetzt, für den ist das schwierige Thema Tod eher im Blickfeld. Aber auch hier gilt es, angemessene und dezente Angebote zu machen. Spender sind durchaus fähig, selbst zu entscheiden, ob sie diese annehmen wollen.

Zu guter Letzt

Die Bewohner unserer Pyramide wollen auf passende Art und Weise zu informiert werden. Grundlage dafür ist eine Kenntnis der Menschen und die Möglichkeit, sie zielgenau zu informieren. Dabei ist eine gut gepflegte Adressdatenbank die Grundlage.
Alle, die für die ÖDP aktiv sind, können mithelfen, die Basis der Pyramide zu verbreitern. Es ist möglich, Menschen für Politik zu begeistern.

Der Artikel erschien 2011 in ähnlicher Form in der Zeitschrift „ÖkologiePolitik“ der ÖDP.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s