Der Limesradweg Deutschlands härteste Radtour

Die römischen Soldaten haben mit dem Limes eine Grenze durch Europa gezogen. Dabei haben sie an vieles gedacht. Aber ganz sicher aber nicht an Radler, die zweitausend Jahre später ihren Spuren folgen. Dies macht den Limesradweg zu einer sportlichen Herausforderung und einem kulturellen Erlebnis – unter Kennern gilt er als der härteste Radweg in Deutschland.


Der Limesradweg beginnt in Bad Hönningen am Rhein und führt direkt in die Steigungen des Westerwalds. Danach kommt der Taunus, wo ihr mit Rotem Kreuz, Feldberg und Sandplacken die höchsten Erhebungen auf der Strecke erreicht. Aber keine Sorge, im Verlauf der Tour gilt es noch viele weitere Höhenmeter zu überwinden. Ein guter Teil davon führt über Schotterpisten, die gerne direkt der Falllinie folgen.
Doch der restliche Weg durch Hessen fährt sich problemlos, das gilt insbesondere für die 70 Kilometer am Main entlang, wo ihr die Grenze nach Franken passiert. Hier könnt ihr zum ersten Mal die Vorzüge eines Flussradwegs genießen: Keine Steigungen, Fluss rechts, Brücke, Fluss links, Brücke, Fluss rechts… wer es denn braucht…also ich finde dies ja ziemlich eintönig. Wenn es euch auch so geht, werdet ihr froh sein, vor Miltenberg abzubiegen. Hier geht es endlich wieder eine langgezogene Steigung herauf, die in Walldürn endet.
Anschließend wartet die Ostalb. Hier gibt es ein beständiges auf- und ab, mit richtig bissigen Steigungen. Der Belag ist dabei meist gut und ihr könnt ja mitzählen, nach wie vielen Anstiegen euch die Kräfte verlassen und ihr anfangt, zu schieben. Bei mir war an der Stelle Schluss, wo ein Spaßvogel auf ein Schild mit der Aufschrift „Vorsicht 15-Prozent-Steigung“ einen Aufkleber des Radwegs gepappt hatte.
Kurz hinter Öhringen musste ich die Tour wegen Regen unterbrechen – ich habe die Fahrt dann in Aaalen fortgesetzt. Die Strecke bis Weißenburg ist sehr angenehm zu fahren. Ich bin sehr zügig vorangekommen. Nach dieser Stadt wartet mit einer 18-Prozent-Steigung der heftigste Anstieg der Tour. Danach geht weiter rauf und runter, bis ihr zur Donau kommt. Dort gibt es dann bis Regensburg wieder das Spielchen „Fluss rechts, Fluss links“, allerdings sind die Durchbrüche dieses mächtigen Stroms sehr beeindruckend: Das gilt insbesondere für die Gegend am Kloster Weltenburg.
Wenn ihr Regensburg erreicht habt, wartet wieder der Radler-Kulturschock – nach Tagen auf einsamen Waldwegen und Landstraßen landet ihr im Herzen einer großen Stadt mit allem, was dazu gehört: Blinken, Hupen, Rennen, Hetzen und um Aufmerksamkeit buhlen. Die Meditation auf dem Sattel ist abrupt beendet – ich bin dann jedes Mal wie benommen.

Limesradweg: Start in Bad Hönningen

Limesradweg: Start in Bad Hönningen

Übernachten
Wer nicht zelten will, der findet am Rande der Strecke eine Vielzahl günstiger Pensionen. Der ADFC bietet auf seinem Portal eine Liste der radlerfreundlichen „Bett’n bikes“ Unterkünfte an. Diese kann als PDF oder gar direkt aufs Navi heruntergeladen werden. Ich habe mir auf der Tour 2012 einfach abends Quartiere gesucht. An Wochenenden solltet ihr aber vorher eine Unterkunft buchen.
Mein Tipp ist Couchsurfing: Auf dieser Internetplattform stellen Menschen Schlafplätze zu Verfügung. Wenn ihr auf so einer Tour Land und Leute kennen lernen wollt, dann ist das genau das Richtige. Allerdings erfordert es etwas Planung, wenn man unterwegs nicht permanent im Internet präsent sein will.
In Schwaben und Bayern habe ich viele interessante Gespräche geführt, bei denen ich echtes Interesse beim Gegenüber spürte.

Beschilderung und GPS-Track
Die Schilder weisen dem Radler den Weg – lassen ihn aber auch gerne mal an entscheidender Stelle im Stich.
Ich bin dem offiziellen GPS-Track gefolgt, den der Verein „Deutsche Limes-Straße“ anbietet. Dieser ist eine gute Ausgangslage. Allerdings ist er nicht aktuell – manch neuer Radweg findet sich dort nicht: so etwa der Radweg nach Hungen (Stand Sommer 2012). Zum Teil widersprechen sich Track und Beschilderung, so dass ich mich entscheiden musste, welchem Hinweis ich nun folge. In Bayern habe ich mich auf die Schilder verlassen – und außerhalb des Freistaats auf den Track. Damit bin ich möglicherweise gut gefahren – vergleichen kann ich allerdings nicht.
Mein Rat: Ladet euch den Track erst einmal herunter, schaut ihn euch auf Google Earth an und ändert ihn dann nach euren Vorstellungen. Die eine oder andere überflüssige Schwierigkeit könnt ihr einfach umgehen, ohne auf Fahrspaß zu verzichten. Ich denke da insbesondere an eine längere 12-Prozent-Steigung hinter der Burgruine Brunneck oder einen Waldweg hinter Grenzau: den könnt ihr einfach umgehen, in dem ihr der wenig befahrenen K117 folgt. Auf die bin ich später ohnehin getroffen – nachdem ich das Rad über Baumstämme gehoben hatte. Ja, manchmal wirft die Führung des Radwegs Rätsel auf.

Limesradweg: Beschilderung

Limesradweg: Beschilderung

Belag und Strecke
Der Radweg stellt euch vor Herausforderungen: Und dies nicht nur im Bezug auf die Steigungen. Nein, auch der Belag ist manchmal durchaus schlecht. Dies gilt insbesondere für die ersten Teilstücke im Westerwald und Taunus. In der Nähe des Feldbergs führt euch eine ausgewaschene Kiesstrecke bis zum Pass mit dem Namen „Rotes Kreuz“. Hier ist es keine Schande, zu schieben. Ich wüsste nicht, wie man da sonst mit Gepäck hochkommen sollte. Und völlig schleierhaft ist mir, wie man da in Gegenrichtung herunterkommen soll. Hier empfiehlt es sich, eine Alternative auf Asphalt zusammenzuklicken. Ich hatte einen trockenen Tag erwischt – bei Regen halte ich diesen Abschnitt mit einem Rad für unpassierbar.
Es gibt einige Abschnitte, wo es eine Schotterpiste herauf geht. Es geht aber auch anders herum, dann fahrt ihr auf der Schotterpiste herunter – das klingt lustig. Aber es braucht gute Bremsen; sehr schnell kommt ihr also auch bergab nicht voran. Ich hatte damit gerechnet, pro Tag etwa 100 Kilometer zurückzulegen. Und empfehle nun, nicht über 70 Kilometer zu planen – bei gesteigertem Interesse an den zahlreichen alten Steinen am Rande dürfen es auch weniger sein.

Der 15%-Radweg: Schwäbische Alb

Der 15%-Radweg: Schwäbische Alb

Römische Spuren
Überhaupt sind es ja diese alten Steine, die den Radweg zu etwas Besonderem machen.
Der Limes bildete die Zoll- und Reichsgrenze, die die mächtige römische Armee aufbaute und viele hundert Jahre gehalten hat.
Nach dem jetzigen Stand der Forschung wurde wohl zunächst eine Palisade aus Baumstämmen errichtet, die dann durch einen Erdwall ersetzt wurde; dieser ist teilweise noch heute in den Wäldern auszumachen. Und sogar auf den Feldern lässt sich der Verlauf noch sehen, etwa wenn sich im Schnee die Schatten abzeichnen. Ihr fahrt allerdings besser nicht im Winter und müsst euch da auf die Aussagen der Archäologen verlassen.
Die Befestigung wurde ab dem zweiten Jahrhundert unserer Zählung errichtet; aufgrund von Auseinandersetzungen mit germanischen Stämmen wurde sie etwa 150 Jahre später zurück verlegt; im Anschluss verlor der Limes dann seine Bedeutung.
Nachdem das römische Reich zerfallen war und die Jahrhunderten ins Land zogen, ging das Wissen um den Ursprung und Bedeutung des Walls verloren. Die Menschen erdachten Sagen, etwa die von der „Teufelsmauer“. Demnach hätte der Teufel so viel Land in Besitz nehmen dürfen, wie er an einem Tag ummauern konnte. Doch da ihn die Gier überkam, versuchte er, ein zu großes Stück zu nehmen. Die Mauer blieb unvollendet und er bekam nichts.
Im Deutschen Kaiserreich begann mit der Gründung der Reichlimeskommission 1892 die systematische Erforschung des Grenzwalls. Die Kommission untersuchte die Fundstellen landauf, landab und veröffentlichte ihre Ergebnisse. Die Arbeit war so umfangreich, dass erst 1937 abgeschlossen wurde. Sie gilt als Pionierleistung in der Archäologie.
Wenn ihr den Spuren aufmerksam folgt, dann könnt ihr auch Unterschiede im Umgang mit der Geschichte feststellen. So gibt es Turmgründe, die nachgemauert wurden. Oder römische Wachtürme, die wieder aufgebaut wurden. An einer Stelle bin ich sogar an der Baustelle eines Limesturmes vorbeigekommen. Mein Gedanke war: Jetzt muss man nur noch einen Männchen in den Turm setzen, dass den Vorbeiziehenden einen Zoll abknöpft. So einfach könnte doch die Krise in Europa gelöst werden – zumindest wenn manch einfachem Gemüt zufolge.
Aber ganz ab von solchen Gedanken könnt ihr viel sehen von der Baukunst der Römer:
Steintürme, Holztürme, Bäder.

Kastell Eining: Römische Spuren

Kastell Eining: Römische Spuren

Unesco-Weltkulturerbe
Seit dem Jahr 2005 schmückt sich der Limes mit dem Titel „Weltkulturerbe“ der Unesco. Das ist für die Tourismus-Industrie wohl recht wichtig, da sie damit Werbung machen kann. Am Limes macht sich dies durch die neuen Hinweistafeln bemerkbar, die mit dem rot-schwarzen Logo ausgezeichnet sind. Deren Texte sind auf dem aktuellen Stand der Forschung und spannend zu lesen. Kein Vergleich zu dem schulmeisterlichen Ton auf älteren Schildern.

Limes: UNESCO-Weltkulturerbe

Limes: UNESCO-Weltkulturerbe

Abfahrten
Der Radweg ist toll. Wer die Herausforderung annimmt, der lernt einen interessanten Teil der Geschichte unseres Kontinents kennen. Und außerdem folgen auf viele der mühselig erklommenen Steigungen Abfahrten, bei der ihr die tollen Landschaften mühelos genießen könnt. Das ist meditative Tiefenentspannung im Sattel. Allerdings kostet die Fahrt entlang der anspruchsvollen Strecke das ein oder andere Kraftkorn: Es ist eben Deutschlands härtester Radweg.

Limesradweg bei Miltenberg

Limesradweg bei Miltenberg

Links und Downloads
Track vom Verein “Deutsche Limesstraße”
Mein Track auf gps-tour.info
Bericht und Diskussion auf dem Radreise-Forum
Bericht auf dem Blog „Radlrek“
ADFC: Dort wird ein Track zum Kauf angeboten und ihr könnt die Bett and Bike Unterkünfte entlang der Strecke herunterladen.
Strappradblog: Bericht über die Tour

3 Antworten zu “Der Limesradweg Deutschlands härteste Radtour

  1. Hallo Roland, habe bis gestern den Limes Radweg mit meinem Sohn komplett befahren. Super anstrengend, super Abfahrten, trotz Kälte und teilweise schlechtem Wetter (kurz vor Murrhardt am Gründonnerstag mussten wir für einen halben Tag unterbrechen) eine tolle Tour. Ein stetiges Auf und Ab, was wir als Ostfriesen erstmal kennenlernen mussten. Für jeden weiterzuempfehlen, der sich vor einer sportlichen Herausvorderung nicht scheut. Gruß, Holger

  2. Herausforderung natürlich

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