Die Blondine im Lagerhaus des Horrors

Zwischen den Jahren habe ich gemerkt, dass dem Internethandel die Zukunft gehört. Zurecht.

Die Klobürstenblondine
Das „Möbelhaus“ verbreitet den Charme eines Lagerhauses. Lieblos wird die Ware präsentiert. Mit etwas Geschick finden wir die Ecke, in der die Badregale stehen. Genau eines hat die Form und Größe des in die Jahre gekommenen Vorgängers. Man muss halt nehmen, was da ist: ein Einkaufserlebnis wie in der DDR.
Der Laden ist voll, nur mit Mühe konnte ich überhaupt einen Parkplatz ergattern. Gestern wurde der RTL-Film mehrmals von einer Blondine unterbrochen, die Werbung für eine 20%-Rabattaktion gemacht hat. Viele der Zuschauer tummeln sich nun im Laden.
Die Blondine ist allgegenwärtig. Ihre Initialen finden sich sogar auf einer Klobürste. Das ist schön: Wen immer RTL berühmt macht, der befindet sich zu Recht im Scheißhaus.

Vorsicht Baggerkind!
In der nächsten Warenabgabestelle, diesmal für Spielzeug, wird es dann richtig gefährlich: Kinder fahren mit XXL-Baggern durch die Gänge, das Verkehrschaos erinnert an St. Petersburg. Trotzdem kommen wir unfallfrei zu Bereich „Puzzles“ und suchen das Produkt, dass Anlass für die Reise gegeben hat: ein Spezialkleber namens Puzzle-Conserver. Erst nach mehrmaligen Umrunden der Hochregale finden wir das Gesuchte.
Es ist unnötig zu erwähnen, dass ein hilfreicher Verkäufer nicht in der Nähe ist. Wurden sie von einem Bagger angefahren? Berufsunfall? Durchaus möglich. Aber tut nun der recht teure Kleber das, was er soll? Nämlich ein im Sommer geschenktes und inzwischen vollendetes Puzzle so in eine Form bringen, dass es hält? Wo bekommt man Rat? Natürlich im Internet.
Und so zücke ich im Laden mein Smartphone und lese die Rezensionen bei Amazon. Gut, die sind manchmal getürkt und manchmal ist die Orthografie sehr kreativ: Aber ich bekomme doch raus, was ich wissen will. Man muss den Kleber reichlich und beidseitig auftragen. Selbstredend ist er im Netz billiger, aber: Die Flasche ist auch nur halb so groß und wir brauchen reichlich Stoff. Also bekommt die Warenausgabestelle ihre Chance.

Das Ergebnis: In Auswahl, Preis und Komfort liegt der Online-Handel vorne. Warum um alles in der Welt soll man eigentlich noch ein Geschäft betreten? Wegen dem Service? Hüstel, hüstel. Sogar meine Mutter ist am Ende davon überzeugt, dass das Internet eine Alternative darstellt. Kein Wunder also, dass nur der Online-Handel beim Weihnachtsgeschäft gute Wachstumszahlen hatte. Und das wird noch eine echte Herausforderung für unsere Innenstädte: Denn wir brauchen natürlich weniger Geschäfte. Über den Leerstand soll sich niemand wundern.

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