Vor dem Gebrauch von Flugblättern sei gewarnt

Es ist Samstagnachmittag und ich habe etwas zu viel Zeit, um im Brüsseler Bahnhof den Zug nach Köln zu nehmen. Beim einem Streifzug in der Einkaufsstraße sehe ich, warum manch ein Bemühen von politisch aktiven Menschen vergebens ist. Eine Warnung.

Flugblätter Verteilung und Entsorgung in Brüssel


In der Einkaufsstraße steht eine Schar von modern gekleideten Menschen an einer Ampel; sie sind mit Flugblättern bewaffnet und verteilen diese recht wahllos an Passanten. Jedes Mal, wenn sie ein Exemplar loswerden, sind sie sichtbar froh. Mit der Aktion wird für die Rabattaktion eines der umliegenden Geschäfte geworben. Ein paar Meter weiter liegen die frisch verteilten Flugblätter auf dem Boden, achtlos weggeworfen; eine Kollegin hebt sie auf und packt sie in eine große Mülltüte. Es wäre mal interessant zu wissen, ob sich diese Verkaufsförderungsmaßnahme denn rechnet.

Mich erinnert es an das politische Initiationserlebnis eines mir bekannten Menschen, der mittlerweile recht viel für die direkte Demokratie geleistet hat. Bei seiner ersten Aktion hat er ebenfalls Flugblätter in der Innenstadt verteilt; und freute sich über den Absatz. Doch auf dem Heimweg hat er die meisten seiner Flugblätter wiedergesehen – in einem Papierkorb.

Das lehrt uns zunächst etwas: über Deutschland, Belgien und Ordnung; darüber hinaus macht uns die Geschichte deutlich, dass es sich schlicht nicht lohnt, Menschen einfach Papier in die Hand zu drücken. Die natürliche – und vernünftige – Reaktion ist es, das Bedruckte weg zu schmeißen. So bekommen Sie eine Botschaft nicht unters Volk.

Dabei hat doch jeder eine viel bessere Möglichkeit für diesen Zweck, selbst wenn er über wenig Geld verfügt: seine Stimme. Es erfordert natürlich eine gewisse Frustrationstoleranz, da Passanten oftmals achtlos weitergehen, wenn sie angesprochen werden. Da musste ich bei Unterschriftensammlungen in Innenstädten schon viel leiden. Aber es gibt immer wieder nette Begegnungen, bei denen ich viel lerne und mit netten Menschen rede – und manchen überzeugen kann.

Und wer wirklich etwas verändern will, der kommt an persönlichen Gesprächen nicht vorbei. Damit dieses der Anfang einer längeren Beziehung werden kann, sollte Ihnen der Gesprächspartner die Erlaubnis erteilen, ihn weiter zu informieren – und sei es per Email. Dann ist dauerhafter Austausch möglich. Fünf gute Gespräche sind da sicher wirksamer als hundert Flugblätter. Ich glaube nicht, dass beim Verkaufen gänzlich andere Regeln gelten.

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